Sachsens Gesetzesverordnung zum Arztassistenten

Das sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz verordnete am 11. August 2018 Folgendes für die Weiterbildung zum Arztassistenten.

Die staatlich anerkannte Weiterbildung zum Arztassistenten (Physician Assistant) kann durch einen Abschluss einer staatlich anerkannten Hochschule oder Berufsakademie erworben werden.

Berechtigt ist jeder, der die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Hochschulstudiums erfüllt, sowie über einen Abschluss im Gesundheitsfachberuf nach §2 Absatz 2 des Weiterbildungsgesetzes für Gesundheitsfachberufe hat.

Ziel dieser Weiterbildung ist das erweiterte Erwerben von fachübergreifenden medizinischen Kenntnissen zur Mitwirkung bei medizinischen Maßnahmen. Schwerpunkt dieser Tätigkeit ist die Unterstützung und Entlastung des Arztes durch die Übernahme delegierter Tätigkeiten im stationären und ambulanten Bereich. 

Die folgenden Tätigkeiten befähigen die Studenten zur Ausübung, soweit diese nicht durch Gefährdung des Patienten oder einem schwerwiegenden Krankheitsverlauf durch den Arzt alleine ausgeführt werden müssen:

  • Mitwirkung an der Erstellung einer Anamnese
  • Durchführung von medizinisch-technischen Tätigkeiten
  • Mitwirkung an der Diagnostik, Erstellung eines Behandlungsplans 
  • Protokollierung und Berichterstellung
  • Operationsassistenz und Durchführung von kleineren Eingriffen, wie Wundversorgung und -verschlüsse 

Das Studium erfolgt über einen Zeitraum von sechs Semestern an einer Hochschule oder Berufsakademie mit Praxisphasen, an einer für die praktische Vertiefung geeignete Gesundheitseinrichtung der Inhalte. Die Einrichtung muss in Kooperation mit der Berufsakademie stehen.

Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung, dem Abschluss der Bachelorarbeit und den Modulen, wird die Weiterbildungsbezeichnung „staatlich anerkannte Arztassistentin/staatlich anerkannter Arztassistent“ (Physician Assistant) verliehen. 

Weitere Informationen über das Weiterbildungsgesetz können hier nachgelesen werden: hier geht es zum Weiterbildungsgesetz für Gesundheitsfachberufe

 

Arztassistent vs. Physician Assistant 

In der Verordnung von Sachsens Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz taucht immer wieder das Wort Arztassistent auf. Gerne verweisen wir an dieser Stelle auf unseren Beitrag über die Namens-Deklarierung. Physician Assistant, Arzt- oder Medizinassistent: Wie heißt er denn nun?

Von der direkten Übersetzung „Arztassistentin“ bzw. „Arztassistent“ ist leider abzuraten, da diese Bezeichnung häufig für nichtärztliche Mitarbeiter genutzt wird, die einfache Dokumentationsaufgaben wahrnehmen, welche nicht mit den umfangreichen Kompetenzen von Physician Assistants vergleichbar sind.

Zudem lässt die Bezeichnung „Arztassistent“, gerade bei Laien, eine Verwechslung mit den AssistenzärztInnen zu.

Darüber hinaus wird konkret auf eine Tätigkeit im ambulanten Bereich verwiesen. Dass es hierbei zu Schwierigkeiten, insbesondere hinsichtlich anderer nicht-ärztlicher Assistenzberufe kommen kann, zeigten wir in diesem Beitrag: Vielfältige Einsatzgebiete der Physician Assistants

 

Und wieso werden in des Verordnung neben Hochschulen immer Berufsakademien genannt? 

Neben dem Studium an einer Universität oder Fachhochschule, beides kann als Hochschule bezeichnet werden, gibt es die Möglichkeit an einer Berufsakademie (BA) über einen dualen Studiengang in sechs Semestern einen Bachelorabschluss zu erwerben.

Häufig werden duale Studiengänge an Berufsakademien (BA) auch als BA-Studiengänge bezeichnet.

Theorie-und Praxisphasen wechseln sich voneinander ab, wobei den theoretischen Teil die Berufsakademie übernimmt. In der Regel wechseln sich diese Phasen in einem 12-Wochen Rhythmus ab. Voraussetzung zu einer Zulassung sind die Fachhochschulreife sowie die Vorlage eines Ausbildungsvertrages. 

Da das Studium zum Physician Assistant in Sachsen nicht an einer klassischen Hochschule angeboten wird, sondern an einer Berufsakademie, wird in der sächsischen Verordnung so konkret auf diesen Bildungsträger verwiesen. 

 

Wieso wird das Studium zum Physician Assistant in der Gesetzesverordnung als Weiterbildung bezeichnet?

Berufliche Weiterbildungen dienen grundsätzlich dem Ziel, aufbauend auf der Ausbildung neue Qualifikationen zu vermitteln oder alte zu erhalten und aufzufrischen.

Da laut der Gesetzesverordnung in Sachsen eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf vorausgesetzt wird, kann das Studium zum Physician Assistant also als Weiterbildung bezeichnet werden, idealerweise aber als weiterbildendes Studium. Grundsätzlich Studiengänge als Weiterbildungen zu bezeichnen, die eine Ausbildung voraussetzen, entspricht im engeren Sinne nicht dem tertiären Bildungsbereich, da i.d.R. andere Qualifikationsniveaus vergeben werden.

Die Qualifikation Physician Assistant grundsätzlich als Weiterbildung zu bezeichnen, kommt der Historie und dem Ziel nicht nach, den Physician Assistant als eigenständiges Berufsbild zu entwickeln und zu prägen. Keine Hochschule, die das Studium zum Physician Assistant anbietet, bezeichnet den Abschluss lediglich als „Weiterbildung“.

Insofern dient die Gesetzesverordnung zwar als strukturgebendes Papier für das Bundesland Sachsen, dient aber nicht den Zielen, die sich beispielsweise der Deutsche Hochschulverband für Physician Assistant gesetzt hat, da einerseits durch die Bezeichnung „Weiterbildung“ die Qualifikation herabgesetzt wird und diese Regelung nur für das Bundesland Sachsen gilt, nicht für andere Bundesländer.

Damit wurde eine Insellösung geschaffen, die nicht in ihrer Gänze den übergeordneten Zielen und Interessen aller Bildungsanbieter, Studierenden und Berufsangehörigen dient und entspricht.

 

Quellen:

http://www.mevaleo.de/info/studium/unterschiede-uni-fh-ba/

https://www.mba-master.de/studium/rund-ums-studium/berufsakademien.html

https://www.mba-studium.net/berufsakademie

http://www.sachsen-gesetze.de/shop/saechsgvbl/2018/13/read_pdf   S. 601/602

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